Liebe Freunde
Inzwischen bin ich seit bald drei Jahren pensioniert und bin nun jedes Jahr für jeweils drei mehrwöchige Einsätze nach Tansania in meine zweite Heimat gereist. Es sind vorallem die freundschaftlichen Beziehungen zu den Einheimischen – zu Einzelpersonen und auch Familien – die mich dazu bewegen, immer wieder Aufenthalte von fünf bis sieben Wochen zu planen. Eine ganze Reihe von Mitarbeitern haben in den letzten Jahren Verantwortung in meinen früheren Arbeitsbereichen übernommen. Ich bleibe weiterhin mit ihnen in Kontakt, und wir besprechen öfters, wie wir gewisse Arbeitsabläufe noch optimieren können.
Meine letzte Reise im Dezember 2025 war insofern speziell, als ich nach längerer Zeit wieder einmal mit Besuchern aus der Schweiz reiste, die die eindrückliche Natur und Weite dieses schönen Landes noch nie gesehen hatten und auch die Kirchen- und Sozialarbeit der TEC (‘Tanzania Evangelistic Church’) nur aus Berichten kannten. Auf unseren Rundfahrten erhielten meine Gäste auch einen Einblick in die afrikanische Kultur, etwa beim Besuch auf dem Gemüse-, Getreide und Fischmarkt oder beim Schlendern durch die engen Gassen mit den vielen kleinen Stoff- und Geschirrläden.
In den Sonntagsgottesdiensten beeindruckte vorallem der frohe und lebendige Gesang der verschiedenen Chöre, mit dem die einheimischen Christen ihren Glauben an Jesus Christus zum Ausdruck bringen.
In der ‘Beziehungskultur’ der Einheimischen erlebe ich oft diejenigen Kontakte als besonders wertvoll, die vor vielen Jahren entstanden sind. Solche Freundschaften wurden teils durch schwierige Lebensumstände geformt; wir haben ‘Leben geteilt’, haben einander in Notsituationen geholfen. Und dabei sind mir die Einheimischen in ihrem Glauben an Gott öfters zum Vorbild geworden.
Mit den Gästen aus der Schweiz besuchten wir Maria, eine junge Frau mit einem besonderen Schicksal. Sie erlitt in den letzten Wochen ihrer Schwangerschaft eine sog. ‘Autoimmunerkrankung’, verbrachte viele schwierige Wochen im Spital Ifisi und ist seitdem an den Rollstuhl gebunden. Ihre achtjährige Tochter besucht inzwischen die dritte Klasse. Wir trafen auch Marias Mutter, die treu für sie sorgt, ihre Geschwister und weitere Verwandte. Maria und wir beten weiterhin um Heilung, und sie hat mittels Physiotherapie schon einige Fortschritte gemacht.



Ich könnte eine ganze Reihe eindrücklicher Lebensgeschichten erzählen…
Zu Wedson – inzwischen 40 Jahre alt, Vater von drei Kindern, seine Frau arbeitet als Lehrerin – pflege ich in den letzten Monaten wieder regelmässigen Kontakt. Oft lese ich die Bibelworte, die er im ‘Whatsapp Status’ in Swahili veröffentlicht. Im November 2025 hat Wedson in Dar es Salaam an der Evangelischen UNI ein Theologie Studium begonnen… Im Folgenden ein kurzer Einblick in seine eindrückliche Geschichte.
Vor mehr als 20 Jahren (2003) brachte einer unserer TEC Pastoren den jungen Wedson zu mir mit der Bitte um Unterstützung für ihn in der Sekundarschule. Der Vater des Teenagers habe die Familie verlassen, und Wedson ‘müsse’ noch für seine kranke Mutter und die fünf jüngeren Geschwister sorgen… Ich begleitete dann den jungen Mann während seiner Ausbildung bis zur Matur und später in seinem Studium in ‘Wirtschaft’ an der UNI. Dann verloren wir uns aus den Augen…
Mehrere Jahre später (2013) schickte Wedson die Nachricht, er habe nach erfolgreichem Abschluss seines Studiums und dem Militärdienst nun eine Anstellung beim
Staat erhalten und arbeite auf dem Steueramt der TRA in Mwanza (Nord-Tansania). Dann meldete er sich 2019 unerwartet zu einem Besuch bei mir in Mbalizi an; er brachte seine inzwischen betagte Mutter mit und als Dank für die frühere Unterstützung einen Zapfen Bananen, Kartoffeln und einen lebenden ‘Güggel’ (Hahn). Wedson berichtete, er habe mit seinem Verdienst seiner Mutter ein kleines Haus bauen können und unterstütze auch regelmässig seine jüngeren Geschwister. Und in all dem gelte sein Dank in erster Linie Gott, der ihn auf diesem besonderen Weg treu geführt habe.
Ein Jahr später begegnete mir Wedson am ‘Internationalen Flughafen’ in Dar es Salaam. Er arbeitete nun als ‘Immigration Officer’ am Zoll und begleitete mich mehrmals bei meiner Ankunft in Dar durch alle Stellen der Einreise. Im Jahr meiner Pensionierung 2023 führte mich Wedson bei meiner Abreise in die V.I.P. Lounge und erklärte mir, in seinem Leben stehe eine Änderung bevor. Er werde sein ,Gelübde’ Gott gegenüber wahrmachen und Theologie studieren, um sich später im kirchlichen Dienst zu engagieren. Er habe damals als Teenager in jener ausweglosen Situation Gott um Hilfe angefleht und IHM versprochen, sein Diener zu werden. Und schmunzelnd fügte Wedson bei, seine ‘Zoll-Kollegen’ würden ihn sowieso bereits ‘Pastor’ nennen, da er mit ihnen immer wieder über Bibelworte diskutiere…
Ende 2023 erkrankte Wedson ganz unerwartet und verlor fast gänzlich sein Gehör. Medizinische Abklärungen erbrachten keine Antwort bezüglich einer möglichen Ursache. Wedson schickte sich auch da in diese neue schwierige Situation und entschloss sich kurzerhand, einen Kurs in Gebärdensprache für Gehörlose zu besuchen. Auch von seiner Entscheidung, mit dem Theologie Studium zu beginnen, liess er sich nicht abbringen.

Wedsons Geschichte berührt mich immer neu. Mit seiner Entschlossenheit, auch in schweren Umständen auf Gott zu vertrauen und ein dankbares Herz für alles Gute zu bewahren, ist er für mich ein eindrückliches Beispiel.
Herzlichen Dank an euch alle, die ihr die Kirchen- und Sozialarbeit der ‘Tanzania Evangelistic Church’ finanziell und im Gebet unterstützt und durch eure Verbundenheit die einheimischen Verantwortlichen und uns als Mitarbeitende aus der Schweiz ermutigt!
Gottes Segen und liebe Grüsse
Lydia


