Liebe Freunde und Interessierte
Wie schnell doch die Zeit vergeht. Mitte Juli 2022 sind wir hier angekommen, mit dem Plan, ein Jahr zu bleiben. Schon bald wurde uns klar, dass daraus zwei Jahre werden würden und nun sind es schon bald vier.
Doch jetzt neigt sich unsere Zeit hier langsam dem Ende zu. Ende Juni werden wir unsere Sachen packen und zurück in die Schweiz gehen. Für Mara, unsere ältere Tochter, beginnt ein neuer Lebensabschnitt: Sie startet im Kindergarten. Für uns war immer klar, dass wir spätestens mit dem Eintritt unserer Kinder ins Schulsystem in die Schweiz zurückkehren möchten.
Das bedeutet jedoch keineswegs einen endgültigen Abschied. Wir werden die Projekte Hope Group und Amsha weiterhin begleiten und unterstützen. Künftig werden wir uns regelmässig bei Online-Meetings treffen und auch bei den grossen Quartalssitzungen digital dabei sein.
Zudem planen wir, mehrmals im Jahr für mehrere Wochen zurückzukehren, um vor Ort präsent zu sein. Es erfüllt uns mit grosser Freude, dass wir weitermachen können, mit unserer Arbeit und mit den Einheimischen weiter eng im Kontakt bleiben.
Amsha
Wir konnten Ende Februar mit unserem neuen Projekt im Amsha starten. Bereits bei unserem letzten Bericht haben wir über den Bau des Hostels für junge obdachlose Menschen im Amsha berichtet. Ende 2025 wurde der Bau fertiggestellt und seither warteten wir auf die nötigen Bewilligungen. Nun haben wir die mündlichen Zusagen erhalten und konnten endlich mit dem Projekt beginnen.

Am ersten Tag kamen über 20 männliche Jugendliche zu uns auf das Gelände. Unsere einheimischen Mitarbeitenden führten sie herum, zeigten ihnen die Anlage und erklärten ihnen genau, worauf sie sich einlassen würden, wenn sie bei uns leben möchten. Anschliessend führten sie mit jedem Einzelnen ein Gespräch. Am Ende dieses Auswahlprozesses wurden sechs Jugendliche ausgewählt. Diese sechs im Alter zwischen 14 und 18 Jahren wohnen nun bei uns auf dem Gelände. Zudem lebt bereits eine junge Frau bei uns. Drei weitere sollen in den nächsten Wochen dazukommen.

In den ersten Wochen ging es für die Jugendlichen vor allem darum, anzukommen und sich an eine neue Lebensstruktur zu gewöhnen. Viele von ihnen haben lange auf der Strasse gelebt. Sie lernen deshalb grundlegende Dinge neu. Zum Beispiel, wie man eine Toilette richtig benutzt und wie wichtig tägliche Körperhygiene ist.
Jeder der Jugendlichen hat ausserdem einen eigenen kleinen Garten angelegt. Diesen müssen sie selbst pflegen und sich darum kümmern. Dadurch übernehmen sie Verantwortung und lernen gleichzeitig, wie man Lebensmittel anbaut.

Auch im Alltag möchten wir sie Schritt für Schritt zurück zur Selbstständigkeit führen. Sie lernen gemeinsam zu kochen und einfache Mahlzeiten zuzubereiten. Zudem kommt regelmässig ein Lehrer vorbei, der ihnen Lesen und Schreiben beibringt, da viele von ihnen nie die Möglichkeit hatten, eine Schule zu besuchen.
Langfristig möchten wir gemeinsam mit ihnen herausfinden, was sie gerne lernen und wo ihre Stärken liegen, damit wir sie auf ein selbstständiges Leben ausserhalb von Amsha vorbereiten und sie evt. bereits einen Beruf bei uns anlernen können.
Sie alle bringen einen schweren Rucksack mit, doch eine Geschichte hat uns besonders berührt: Elasto ist 14 Jahre alt. Seine beiden Eltern sind bereits gestorben. Danach lebte er bei Verwandten etwa 70 Kilometer ausserhalb der Stadt. Eines Tages brachte sein Onkel ihn und seinen drei Jahre jüngeren Bruder nach Mbeya und liess sie dort einfach zurück. Die beiden Jungen waren plötzlich auf sich allein gestellt und wurden von anderen Strassenkindern aufgenommen. So nahmen sie früh bereits Drogen und konsumierten Alkohol. Im Oktober 2025 wurde sein Bruder während der Unruhen nach den Wahlen auf der Strasse von der Polizei erschossen. Elasto hat damit nicht nur seine Eltern, sondern auch seinen einzigen engen Vertrauten verloren.

Am zweiten Tag im bei uns ging es ihm ganz schlecht. Er hatte feste Kopfschmerzen und plötzlich auch Blut im Urin. Wir gingen sofort mit ihm in den Spital, wo er untersucht wurde. Es stellte sich heraus, dass er Bilharziose hatte. Eine tropische Wurminfektion welche chronischen Schäden an Leber, Darm oder Blase auslösen kann. Dank der sofortigen Einnahme der notwendigen Medikamente geht es ihm heute wieder gut. Trotz seiner schweren Vorgeschichte ist er ein aufgestellter, fröhlicher junger Mann, der neuen Mut gefasst hat und mit Hoffnung in die Zukunft schaut.
Heute lebt Elasto nun bei uns im Amsha. Wie die anderen Jugendlichen versucht auch er, Schritt für Schritt wieder Vertrauen zu fassen und eine neue Perspektive für sein Leben aufzubauen.
Hope Group
Eines unserer jährlichen Highlights stand diesen Monat wieder an: der Ausflug an den Malawisee! Gemeinsam mit rund 60 Kindern und 10 Leitern machten wir uns auf den Weg. Dieser feste Programmpunkt musste im letzten Jahr leider aufgrund der Unruhen im Land ausfallen. Umso grösser war die Freude, dass wir am vorletzten Wochenende endlich wieder gehen konnten.

Die Kinder kamen bereits am Freitagabend in die Hope, um dort zu übernachten, da wir am nächsten morgen früh aufbrachen. In diesem Jahr reisten wir mit zwei Schulbussen der Songwe Primary School, sodass jeder einen Sitzplatz hatte. Die Fahrt dauerte mit den Bussen etwa 5 ½ Stunden (mit dem Auto wären es ca. 3 ½ Stunden gewesen). Das Strahlen in den Augen der Kinder bei der Ankunft war unbezahlbar. Ihre Freude war einfach überwältigend. Diese Kinder haben so wenig und stehen oft am Rand der Gesellschaft. Ihnen solch ein Erlebnis zu ermöglichen, ist etwas ganz Besonderes.
Nach einer kurzen Einführung in die Verhaltensregeln ging es direkt ins Wasser. Da die meisten Kinder und auch fast alle Erwachsenen nicht schwimmen konnten, war von uns höchste Konzentration gefragt. Bei 60 Kindern im Wasser den Überblick zu behalten, war nicht immer einfach. Wir sind Gott sehr dankbar, dass er uns dabei bewahrt und beschützt hat.

Das Wasser war etwa 34 Grad warm. Viele Kinder blieben deshalb von 11.00 Uhr bis zum Abend um 18.30 Uhr fast durchgehend im Wasser. Zwischendurch machten sie nur eine kurze Pause für das Mittagessen.
Am Abend gingen alle bereits um 21.00 Uhr ins Bett. Nach diesem langen und intensiven Tag waren sie so erschöpft, dass wir uns um die Nachtruhe keine Sorgen machen mussten.
Der nächste Morgen begann schon vor 07.00 Uhr. Die ersten Kinder standen bereits am Wasser und warteten geduldig, bis wir bereit waren. Leider zog bald ein heftiges Gewitter auf. Als die Blitze näherkamen, mussten alle das Wasser verlassen. Da sich das Wetter nicht besserte, gab es früher als geplant Mittagessen, und wir traten die Rückreise an. Müde, aber überglücklich, stiegen die Kinder schliesslich wieder in Mbalizi aus dem Bus.
An dieser Stelle möchten wir uns nochmals ganz herzlich bei euch allen bedanken. Die Unterstützung, die wir in den letzten vier Jahren erfahren durften, ist ein grosses Geschenk. So viele von euch haben für uns gebetet und sind für und mit uns eingestanden, auch wenn wir euch vielleicht gar nicht persönlich kennen. ASANTE SANA
Wir wünschen euch Gottes reichen Segen.


