Fast ein halbes Jahr ist vergangen seit dem letzten Bericht…
Familie
Als Familie geht es uns soweit gut.
Die Kinder sind soweit gesund und vor allem die Jüngste macht im Moment grosse Fortschritte. Es erstaunt uns immer wieder was sie alles nachzuahmen versucht und sie selber ausprobieren will.
Auch bei den grösseren Beiden hört man sich manchmal selbst reden und es wird mir immer wieder bewusst, was wir für eine Vorbilds Rolle haben.
Letzte Wochenende sind wir mit einem alten Bekannten von mir, der uns besuchen kam, nach Matema an den Nyassasee gefahren. Obwohl es nur zwei Nächte waren, war es sehr schön. Wir hatten super Wetter und der See war ruhig. Die Kinder genossen es im Wasser herum zu plantschen. Sogar Julia fand es ganz schön im Wasser und hielt es lange aus. Es war richtig gut wieder einmal etwas abzuschalten und etwas anderes zu sehen.
Spital allgemein
Im Spital haben wir viele Veränderungen. Dr. Martin der seit etwa einem halben Jahr wieder bei uns. Er ist mit neuer Energie und vielen Ideen gekommen die er umsetzten möchte. Sein-Ziel: bestmögliche Betreuung der Patienten und zufriedenes und kompetentes Personal welches sich voll und ganz einsetzt. Dafür braucht es natürliche finanzielle Mittel, die wir einerseits durch Einsparen von allgemeinen Spitalkosten (Strom, Wasser, etc) und andererseits über die Einnahmen von Patienten hereinbringen müssen.
Der alte Schuldenberg der sich durch den Medizineinkauf angehäuft hat, sollte bis Mitte Jahr fertig abgezahlt werden, jedoch hat sich ein neuer angehäuft. Das Spital ist renovierungsbedürftig, Geräte wie Monitoren, Sauerstoffkonzentratoren etc. sind durch den vielen Gebrauch langsam ermüdet und müssen ersetzt werden, es scheint manchmal kein Ende zu haben.
Der Vertrag bezüglich der Zusammenarbeit mit der Regierung ist nun definitiv nicht erneuert worden, Grund dafür sind Lokalpolitiker die dies abgelehnt haben. Leider sind diese Leute sehr mächtig auch wenn sie oft die Bedeutung von dem Spital in der Umgebung nicht einschätzen können (sie haben keine Ausbildung im Gesundheitswesen) und teilweise auch aus eigennützigen Gründen entscheiden. Somit sind auch Gelder gestrichen worden, und auch personell wissen wir auf Dauer nicht, wie es weitergeht, haben wir doch einiges an Personal, welches vom Staat angestellt ist. Somit müssen wir uns darauf vorbereiten, dass das Spital auch weiter funktioniert auch wenn sie nicht mehr da sind.
Im Moment sind wir gerade dabei einen Umbau zu machen um eine Intensivstation aufzubauen. Da wir da im Moment noch nicht soweit sind, es wird zuerst wie eine HDU (high dependency Unit) funktionieren. Ziel ist alle kritischen Patienten an einem Ort zusammen zu haben, an dem man genug und kompetente Ressourcen hat sie fachgerecht zu betreuen. Dafür braucht es vor allem gute Schulung des Personals. Nach wie vor ist es auf den Stationen eine grosse Herausforderung solche Patienten überhaupt zu erkennen und sie dementsprechend zu behandeln.
Arbeit
Ich bin nach wie vor zum grössten Teil meiner Zeit während der Arbeit im Wundambulatorium tätig. Es ist immer wieder schockierend zu sehen, wie die Leute sich betrügen lassen trotz Wissen und guten Er immer wieder zu alternativen Behandlungsmethoden entscheiden. Ein Beispiel war Frank. Er hatte Diabetes. Er hatte vor einiger Zeit eine Wunde am Fuss und kam zu uns in Behandlung. Die Wunde heilte ab, er kam weiterhin einmal im Monat in die Diabetessprechstunde. Als er am andern Fuss eine Wunde bekam, versprach ihm irgendein traditioneller oder Kräuterheiler, er könnte ihm helfen. Er setzte seine Diabetesmedikation ab und nahm die ihm gegebene Medizin. Nach einiger Zeit wurde sein Zustand sehr schlecht und er entschied sich doch ins Spital zu kommen. Sein Zustand war kritisch, der Zucker extrem hoch und die Zehen am Fuss nekrotisch. Die Infektion war schon bis Mitte Oberschenkel gestiegen, beim abtasten spürte man Luft unter der Haut und im Gewebe. Das Bein musste noch am gleichen Tag auf Höhe Mitte Oberschenkel amputiert werden, die Wunde wurde offengelassen. Die Wunde wurde regelmässig verbunden und am Anfang sah es nach einer Besserung aus. Leider verschlechterte sich sein Zustand und nach einigen Wochen starb er.
Ein anderer Patient Andison. Auch er hat Diabetes und wir hatten ihn schon einmal erfolgreich eine grosse Wunde an seinem Fuss behandelt. Auch er kam wieder mit einer sehr unschönen Wunde am Fuss nachdem er es bei einem traditionellen Heiler versucht hatte. Wir debridierten die Wunde und behandelten seinen Zucker. Als es ihm soweit gut ging, bat er ambulant zu kommen, wir erlaubten es ihm. Er wurde am Freitag entlassen, und am Samstag liess er wieder einen Kräuterheiler kommen der ihm irgendetwas auf die Wunde streute. Als er am Montag zum Verbandwechsel kam, sah die Wunde wieder schlecht aus. Es mussten einige Konchen entfernt werden und es brauchte lange bis die Wunde wieder gut aussah. Zurzeit sieht es positiv aus, ich hoffe, dass er dieses Mal kooperativ bleibt.
Die Verhaltensweise dieser Patienten ist teilweise wirklich nicht zu verstehen, manchmal muss man es einfach stehen lassen.
So das wäre es für heute!
Vielen Dank fürs Mittragen.
Liebe Grüsse, Petra