Bericht Lehner’s Nov. 2022

Bericht Lehner1

Liebe Freunde

Vor wenigen Wochen erlebte ich (Markus) eine spezielle Situation. Gemeinsam mit Hanni reisten wir Mitte September anlässlich einer Familienfeier in die Schweiz. Nach dem eindrücklichen Anlass waren wir mit unserer Tochter unterwegs in ihrem Auto nach Bischofszell. Während unseres Gesprächs stellten Hanni und sie fest, dass ich Gedankenausfälle hatte, seltsam reagierte und offensichtlich die Orientierung verloren hatte. Sofort kontaktierten sie unseren Freund (Dr. A. Kemmler – vor Jahren Arzt bei uns im Spital Ifisi), und ich wurde umgehend ins Kantonsspital Aarau zur Untersuchung eingewiesen. Entsprechend meinem Alter wurde ein eingehender Gesundheits-Check verordnet. Während der wenigen Tage meines Spitalaufenthaltes in einem Viererzimmer, in dem wir zu zweit lagen, fühlte ich mich wie in einem «Fünf-Sterne-Hotel»; die Aufmerksamkeit des Personals und die Bedienung waren fantastisch. Beim Zur-Ruhe-kommen erlebte ich aber auch, dass Gott mir speziell begegnete, und diese drei Tage im Spital für mich zu einer neuen Erfahrung von Gottes Reden zu mir wurden. Beim Lesen der Geschichten von Abraham und Mose im Alten Testament nahm ich Rückblick auf unsere Familiengeschichte, die wie die Geschichte der alten Väter, von konkreten Glaubensschritten geprägt ist. Meine Eltern waren 1950 erstmals nach Tansania gereist und hatten dort unter schwierigen und entbehrlichen Umständen einen ersten Einsatz geleistet. Im Jahre 1957 begannen sie das Werk der «Mbalizi Evangelistic Mission» – und auch dies im Glauben und gemäss ihrer Berufung von Gott. Als Hanni und ich mit unserer jungen Familie im 1970 nach Mbalizi reisten, taten auch wir dies als bewussten Glaubensschritt im Vertrauen, dass ER uns auf Seinen Wegen führt. Nun, heute schreiben wir die hundertste Ausgabe unseres Rundbriefs und erinnern uns daran, dass viele Mitarbeiter aus der Schweiz und Deutschland und auch unsere einheimischen Verantwortlichen dazu beigetragen haben, dass ein so vielseitiges Werk der Gemeindearbeit und sozialdiakonischen Dienste aufgebaut werden durfte und auch heute weitergeführt wird. Besonders schätzen wir die vielen Freunde, die uns über all die Jahre finanziell und mit ihren Gebeten begleitet und unterstützt haben. Beim Lesen des zweiten Buches Mose ist mir aufgefallen, dass es mehr als fünfzig Mal heisst: «Gott sprach zu Mose.» Dies drückt eine lebendige, enge und hoffnungsvolle Verbindung mit Gott aus, und in dieser Verbundenheit mit Gott möchten wir auch in Zukunft mit IHM unterwegs sein und uns von IHM beraten und führen lassen. Dieser Gedanke hat mich neu gesegnet und gestärkt. Noch eine kleine Episode aus dem Krankenhaus: Die Bibliothekarin kam mit einem rollenden Literaturangebot bei uns im Krankenzimmer vorbei und fragte: «Wünschen Sie etwas Interessantes zum Lesen?» – «Haben Sie eine Bibel?» – «Nein, die habe ich nicht.» – «Oh, schade, das müssen Sie unbedingt korrigieren», antwortete ich. Auf meine Frage, ob sie sonst ein ansprechendes Buch habe, empfahl sie mir die Biografie von Einsteins Frau, die wohl eine der intelligentesten Frauen je gewesen sein muss. Ich las ihre Geschichte, in der Frau Einstein Bezug darauf nahm, wo wir uns als Menschheit befinden, wozu wir leben und wohin unsere Reise geht. Ihre äusserst traurige Aussage am Ende ihres Lebens, dass sie nur noch «Dunkelheit » und «tiefe Nacht» empfinde, hat mich stark betroffen. – Einmal mehr erfüllte mich grosse Dankbarkeit Gott gegenüber, welch unfassbares Geschenk ER uns in Seinem Wort gegeben hat, und dass wir im Glauben an IHN durch Jesus Christus Lebensinhalt, Hoffnung und die Gewissheit des ewigen Lebens erhalten dürfen. Die Befunde der ausgiebigen Untersuchungen im Spital ergaben keine spezifische Krankheit, doch erhielt ich die klare Anweisung, die Arbeitsintensität zu reduzieren und mir meinem Alter entsprechend mehr Ruhe zu gönnen. Dies bedeutet konkret, noch mehr zurückzutreten, weiter Verantwortung abzugeben und besonders auch mich auf meine Tätigkeit als Berater zu beschränken. Hanni und ich sind gemeinsam daran, diese Schritte einzuüben. Danke für eure Gebete diesbezüglich. Kürzlich habe ich gelesen, dass die Bevölkerung Afrikas zu 76 % aus Menschen der Altergruppe der unter 35-Jährigen besteht.

Hier in Tansania empfinden wir die Entwicklung einer jungen Generation unter dem stetigen Einfluss moderner Technologie als interessantes, aber nicht unproblematisches Phänomen. Zusammenfassend dürfen wir erleben, dass der Gemeindeverband der «Evangelistic Church» mit den rund 200 Gemeinden in Tansania grösstenteils vorbildlich unter der Leitung der einheimischen Verantwortlichen geführt wird. Der Vorsitzende, Pastor Meshak Job, und sein Leitungsgremium sehen sich aber auch verschiedensten Herausforderungen gegenüber gestellt und sind dankbar für unsere Gebete.

In den Bereichen der sozial-diakonischen Dienste freuen wir uns, dass die Arbeit im «Mbalizi Spital» in Ifisi unter der kompetenten Leitung von Chefarzt Dr. Martin Mbwile und der Administratorin Faustina Mahenge zu neuem Aufschwung geführt hat. In der Ausbildungsstätte für Pflegeberufe – «Institute of Health Sciences» – werden in Ifisi zurzeit 700 Studenten in sechs unterschiedlichen Berufsrichtungen unterrichtet. Die Schulleiterin Mrs. Shukrani, und ihr Lehrerteam leisten einen enormen Einsatz im Begleiten der vielen Studenten auf ihrem Weg in die medizinische Berufswelt. Ich (Markus) bin dabei noch als Berater eingebunden. Auch in Songwe, im «Sunrise Education Center» der «Secondary and High School» (rund 500 Studenten), sowie der «English Pre- and Primaryschool» (bald 400 Schüler), findet unter der Leitung von Mr. David Mwankotwa eine positive Entwicklung in Bezug auf Schülerzahlen und Qualität der Ausbildung statt. In Songwe befindet sich zudem ein Teil der medizinischen Berufsausbildung. Rund 400 Studenten sind dort für ihr Studium untergebracht. In allen Abteilungen und Institutionen beginnt der Arbeitstag um 7.30 Uhr mit einer biblischen Andacht. An mehreren Morgen bin ich (Markus) dabei eingebunden im Weitergeben von Gottes Wort und freue mich am Interesse und der positiven Reaktion der grösstenteils jüngeren Generation.

Zum Schluss danken wir euch als Leser dieser Berichte einmal ehr ganz herzlich für alle Unterstützung und euer Interesse! Im letzten Brief hatten wir von den enormen Schäden durch die Fluten der Regenzeit Anfang Jahr berichtet. Bald sollte der Regen beginnen, und wir sind jetzt noch daran, die damals verursachten Schäden vollends zu beheben. Nach der langen Trockenzeit sind überall die Wasserreserven knapp. Die rasch zunehmende Bevölkerung in unserer Region trägt ebenfalls zu erschwerten Lebensumständen bei. Die benötigten Infrastrukturen wie z. B. Strassen, Wasser- und Stromversorgung werden kaum angepasst. Vor allem der intensive Verkehr von LKWs, Tankwagen, Bussen, Kleinwagen und Motorrädern auf unserem «Trans-African- Highway», die damit verbundene Gefahr und die wiederholt verursachten Unfälle bedeuten ein dauerndes Problem. Danke herzlich, dass ihr die erwähnten Anliegen in eure Gebete aufnehmt. Für die kommende Advents- und Weihnachtszeit wünschen wir euch von Herzen Gottes Segen!

Mit lieben Grüssen

 

Eure Markus und Hanni

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