Liebe Freunde
Vor ziemlich genau zehn Jahren – im Oktober 2016 – planten wir mit der Kirchenleitung der TEC eine Reise in den Norden Tansanias in die Region des riesigen Viktoriasees. Ein Studienkolleg unseres Leiters der ‘Bibelschule Mshewe’ (Pastor Edward) hatte uns mit Einheimischen des Hirtenstammes der ‘Sukuma’ in Kontakt gebracht, und in der Folge hatten zwei Familien der Region Geita den zweijährigen Bibelkurs für Gemeindemitarbeiter bei uns in Mshewe besucht; zwei weitere Familien und ein Einzelstudent folgten später.
Die Grossstadt Mwanza am Viktoriasee ist die zweitgrösste Stadt Tansanias und zählt mit dem Einzugsgebiet der Agglomeration rund 3,5 Mio. Einwohner. Die westlich davon gelegene Regionalstadt Geita verzeichnet ebenfalls eine rasante Zunahme der Bevölkerung. Einer der Gründe ist das reiche Vorkommen an Bodenschätzen in den umliegenden Hügeln – vor allem Gold – das seit Jahrzehnten von ausländischen Firmen mit modernsten Erdbewegungsmaschinen abgebaut wird, nach Statistik viele Tonnen Gold pro Jahr. Diese Firmen bringen Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung, ein unaufhörlicher Bauboom kam ins Rollen, Hotels und Geschäfte jeder Art säumen die Hauptstrasse Geitas.
Viele Sukuma vorwiegend der jüngeren Generation haben ihre ursprüngliche traditionelle Tätigkeit als Viehzüchter, im Ackerbau oder in der Fischerei durch eine Anstellung bei einer der Firmen eingetauscht und verdienen unter harten Bedingungen ihr tägliches Brot. Auch wenn die meisten nebenbei saisonal noch Mais-, Reis- oder Zuckerrohrfelder bewirtschaften oder einen kleinen Handel betreiben, hat sich für sie im Grossstadtleben eine neue Welt eröffnet. In den Dörfern auf dem Land jedoch nimmt das Hirtenleben grösstenteils wie früher seinen Lauf.


Vor zehn Jahren zogen zwei Pastoren-Familien aus unserer Region im Südwesten in die mehr als tausend Kilometer entfernte Region in den Norden, und ich war mit dabei bei diesem Umzug, einer dreitägigen Fahrt per ‘Land Rover’, über viele Kilometer durch teils einsame Buschlandschaften, dann über recht gut geteerte Pisten, je weiter wir in nördliche Teile des Landes kamen, und schliesslich überquerten wir kurz vor dem Ziel einen Arm des Viktoriasees auf der Autofähre. Eine kleine Gruppe von Christen unter der Leitung der ersten Absolventen unseres Theologiekurses dieser Region hatte um Unterstützung gebeten, und ich war damals im Rahmen der Frauenarbeit bereits mehrmals mit Mitarbeitern der TEC in diese Gegend gereist und hatte die Situation etwas kennengelernt.
Die beiden Pastoren, Amosi Kazimoto und Furaha Mkisi, mit ihren Familien waren mit dem Ziel gekommen, die wenigen einheimischen Christen beim Aufbau ihrer Kirchgemeinden zu unterstützen und gemeinsam mit ihnen der lokalen Bevölkerung die Botschaft der Bibel näher zu bringen. Von Beginn an war ich persönlich sehr berührt zu erleben, wie sich bei Gottesdiensten meist unter einem Schattenbaum – egal an welchem Wochentag – in Kürze eine grössere Gruppe von Einheimischen der umliegenden Gehöfte versammelte und aufmerksam unseren Mitarbeitern zuhörte. Die Berichte der Bibel, oft über Begebenheiten aus dem Leben von Jesus, sprachen diese Leute eindeutig an, und ich entdeckte, welch grosser Teil der Lebensumstände aus der biblischen Zeit dem Leben dieses Hirtenstammes ähnlich ist. Unter den Zuhörern waren jeweils alle Altersgruppen vertreten; die Erwachsenen brachten meist einen einfachen Klappstuhl von zuhause mit, und die vielen Kinder sassen auf dem Boden.

Im Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre, in denen ich in nahem Kontakt zu unseren Mitarbeitern am Viktoriasee stand und so gut wie jedes Jahr gemeinsam mit TEC-Leitern eine Besuchsreise unternahm, erlebten wir,
wie aus einem bescheidenen Anfang in der Geita-Region inzwischen in der Stadt und in vier Dörfern der Umgebung eine Kirchenarbeit aufgebaut werden durfte. In Zusammenarbeit mit der TEC-Leitung konnten wir in vielen kleinen Schritten Grundstücke erwerben, unter Einbezug der Einheimischen schliesslich Gemeindegebäude erstellen, wo nun in den letzten Jahren regelmässig Gottesdienste und verschiedene kirchliche Anlässe durchgeführt werden. An zwei Orten haben wir auch ein Wohnhaus für die Pastorenfamilie errichten können, und am dritten Ort, in Geita Nshinde, werden wir bald nach der Bedachung nun auch die Böden, Fenster und Türen fertigstellen dürfen. Für uns und auch mich sind all diese Schritte eine Folge vieler kleiner und grösserer Wunder aufgrund gemeinsamer Planung und gelungener Zusammenarbeit. Unsere Mitarbeiter leiten die lokalen Christen auch im Starten kleiner Projekte an, zudem fördern sie bewusst das Anpflanzen von Bäumen auf den Kirchengeländen. Mit zwei der Frauengruppen planen wir nächstens, ein Nähprojekt zu starten.


In all den Jahren blieben auch schwierige Situationen nicht aus; z.B. Krankheitsfälle in den Familien unserer Mitarbeiter; zweimal starb ein Baby gleich nach der Geburt, und Familie Phares von Geita Nshinde verlor 2019 nach der Rückkehr aus Mshewe (unmittelbar nach Abschluss der theologischen Ausbildung) ganz plötzlich ihre fünfjährige Tochter – vermutet wurde eine Sichelzellen-Anämie, die in Malariagebieten auftreten kann. Wie dankbar waren wir alle, als diese Familie nach einer äusserst schwierigen Zeit gesundheitlicher Krisen im Januar 2026 einen gesunden Jungen in die Arme schliessen durfte. Phares, der Vater des Babys, ist übrigens seiner ursprünglichen Tätigkeit zum Erwerb des Lebensunterhaltes treu geblieben. Er handelt mit Fischen aus dem Viktoriasee, teils frisch, teils räuchert er sie. Weiterhin engagiert er sich in seiner Heimatkirche Geita Nshinde und ist Teil des Kirchenkomitees.


In einem Monat reise ich ein weiteres Mal nach Tansania und plane, Anfang November auch die TEC-Gemeinden und Mitarbeiter in der Region am Viktoriasee zu besuchen. Das Teilen von Freud und Leid hat uns über all die Jahre einen engen Zusammenhalt gegeben. Dank der Kommunikation via WhatsApp ist der Austausch zwischen uns in so unterschiedlichen ‘Welten’ jederzeit möglich. Wir dürfen uns gegenseitig unterstützen und ermutigen, und die Verbundenheit bleibt erhalten.
Vielen herzlichen Dank an euch alle, die ihr die Kirchen- und Sozialarbeit der ‘Tanzania Evangelistic Church’ begleitet und im Gebet und auch finanziell unterstützt!
Liebe Grüsse
Lydia


