Liebe Freunde, Bekannte und Unterstützer
Familie
Uns als Familie geht es soweit gut.
Agesta ist in den zweieinhalb Jahren in den sie bei uns wohnt, körperlich unglaublich gewachsen. Kognitiv hinkt sie hinterher und sie wird wahrscheinlich nie ganz auf den Stand eines ihren alters entsprechenden Kindes kommen. Aber sie ist zufrieden und glücklich.
Caterina wird im Oktober vier Jahre alt. Sie ist einerseits sehr selbständig und will viel selber machen, anderseits aber auch noch sehr anhänglich und sensibel.
Julia, ein lustiges kleines Mädchen, welches alles abschaut und nachmacht. Mit Laufen hat sie es jedoch nicht sehr eilig, sie lässt sich lieber noch herumtragen.
Es wir einem mit den dreien auf jeden Fall nicht langweilig.

Arbeit
Im Spital hat es viele Veränderungen gegeben, vieles wurde durch Dr. Martin iniziiert.
So haben wir auch eine «Intensivstation» aufgemacht haben. Praktisch ist es eher eine IMC (intermediate care), aber es ist auf jedenfalls eine Station, wo die kritischen Patienten hinkommen und eine engmaschige Überwachung und Betreuung erhalten. Das Personal ist engagiert und gibt sich sehr Mühe. Es ist sicher nicht perfekt, aber auf jeden Fall sieht man eine Verbesserung der Betreuung der Patienten.

Das nächste Projekt ist die Betreuung auf dem «Notfall». Natürlich ist es wichtig, das kritische Patienten bei der Ankunft im Spital erkannt und sofort entsprechend behandelt werden. Das steht und fällt mit gut ausgebildetem und motiviertem Personal und mit dem Arbeitsmittel, die ihnen zur Verfügung gestellt werden.
Wie alles, ist es jedoch eine Frage der finanziellen Situation, die immer noch kritisch ist.
Die Einnahmen des Spitales sind höher was einerseits durch Preiserhöhung der Betreuung und andererseits durch Einsparungen bei Ausgaben erreicht wurde. Leider reicht es jedoch immer noch nicht aus und wir sind immer wieder dran zum schauen wie die Einnahmen erhöht werden können.
Es gibt immer wieder Situationen (die man grundsätzlich eigentlich miteinberechnen müsste) die einen zurückwerfen. Zum Beispiel, dass die Waschmaschinen des Spitals kaputt gehen und sie notfallmässig repariert werden müssen.
Wir sind im Moment, angeleitet von Dr. Martin dran, ein Budget für das Spital aufzustellen, bei dem möglichst alle Faktoren einberechnet sind (also auch Ersetzung und Maintenance von Geräten) um zu wissen, wieviel Geld benötigt wird. Danach oder gleichzeitig kommt natürlich die Frage, wie das benötigte Geld hereinkommt.
Ein sehr wichtiges Thema zur nachhaltigen Führung des Spitals, jedoch auch sehr anstrengend.
Wundambulatorium
Ende August wurde unsere langjährige Mitarbeiterin des Spitals, Damari Kibona, pensioniert (auf dem Bild, links). Die letzten Jahre war sie bei mir im Wundambulatorium eine grosse Hilfe und fehlt nun. Da unsere vierte Mitarbeiterin im Mutterschaftsurlaub ist, sind wir zurzeit nur noch zu zweit und haben Unterstützung von einem Pflegeschüler, der in den Ferien ist.

Im Moment haben wir mehrere Verbrennungskinder. Eines davon ist Aisha, 6 Jahre alt. Ihr Kleid fing Feuer als sie beim Spielen war. Sie hat eine Verbrennung von über 60% Körperoberfläche und kam von Anfang an auf unsere ICU (Intensivstation). Tatsächlich merken wir einen Unterschied in der Betreuung. Die sonst so normalen Komplikationen die wir bei den Verbrennungen sehen sind bis jetzt ausgeblieben. Vor etwa zwei Wochen konnten wir die erste Operation zur Wunddeckung mit Spalthaut machen. Brust und Bauch wurden erfolgreich gedeckt und somit wurde etwa 15 – 20% der Wunde verkleinert. Wir hoffen, dass wir in den nächsten Wochen die Wunde nochmals verkleinern können und das Mädchen überleben wird.
Evelina, drei Jahre, kam am letzten Wochenende zu uns. Ihr Haus brannte während sie schlief. Sie verbrannte sich den Kopf ausser dem Gesicht, beide Beine und Arme. Auch sie ist auf der ICU. Ihr Zustand ist noch nicht ganz stabil, wir hoffen sehr, dass sie überleben wird.

Die Behandlung von Verbrennungsopfern ist langwierig und teuer, für die Verwandten eine grosse Belastung. Der Patient ist lange hospitiert, was heisst, dass die Mutter oder sonst ein Verwandter auch mit ihnen im Spital ist. Somit ist es einem Teil der Familie nicht mehr möglich zu Arbeiten und zur Versorgung der Familie beizutragen. Das führt meistens früher oder später dazu, dass sie die hohen Spitalkosten nicht mehr bezahlen können. Ohne fremde finanzielle (durch Spendengelder) Hilfe müssten die Patienten entlassen werden, wo sie zu Hause entweder sterben oder wenn sie heilen, oft schlimme Kontrakturen bekommen, welche sie im alltäglichen Leben einschränken.
Es macht mir zurzeit wieder sehr zu schaffen, dass die Armut der Leute dazu beiträgt einfach keine gute medizinische Versorgung zu bekommen. Junge Menschen und Kinder sterben, weil sie erst ins Spital kommen, wenn es zu spät ist, da sie kein Geld für die Behandlung haben. Immerhin können wir hier ein paar Leuten helfen auch wenn es ein Tropfen auf den heissen Stein ist.
Vielen Dank fürs Mittragen!
Liebe Grüsse, Petra


