Bericht Petra Mai 2024

Januar, der Zeitpunkt der Geburt rückt näher. Wir hatten uns entschieden, dass ich dieses Mal das Baby in Tansania zur Welt bringen würde. Der Kaiserschnitt war etwa 1 ½ Wochen vor dem errechneten Geburtstermin geplant. 

Die letzten Wochen vor der Geburt waren ziemlich ausgefüllt. Da ich wegen Mutterschaftsurlaub länger ausfallen würde, nahmen die anderen Mitarbeiter noch ihre Ferien. So war ich noch voll in die Arbeit eingebunden. 

Vanessa, das Mädchen mit den Verbrennungen, von dem ich im letzten Rundbrief berichtete, kam weiterhin regelmässig zu den Verbandswechseln. Ihr Zustand verbesserte sich zusehends, jedoch fingen nun auch die Auswirkungen der Narbenbildung an. Sie hatte Kontrakturen an Händen und Armen, im Gesicht, bei den Augenliedern und um den Mund. Im Juni kommt wieder ein Ärzteteam mit Spezialisten, ich hoffe sie werden ihr helfen können. Leider wird dies nicht eine einmalige Sache sein, die körperliche Folgen der Verbrennungen werden sie ein Leben lang begleiten. 

Der Termin für den Kaiserschnitt wurde auf den 22. Januar festgelegt. Es war geplant ihn abends durchzuführen, damit nicht sofort zu viele Mitarbeiter zur Gratulation vorbeikämen. Ausser den Beteiligten wussten wenige davon und die Beteiligten waren alle ziemlich nervös. Ich, eine Europäerin und dazu noch ihre Mitarbeiterin und ich kannte das ganze Vorgehen, da ich schon x-mal bei Kaiserschnitten assistiert hatte. So hatten sie alles gut vorbreitet und das OP-Set und das dazugehörige Material speziell für mich auf die Seite gelegt. Der Arzt hatte noch eine Kollegin zur Unterstützung geholt. 

Am besagten Tag kam ich für die Vorbereitungen (Blutentnahme usw.) morgens ins Spital. Ich hatte eigentlich gleich wieder nach Hause gehen wollen um mich vorzubereiten, wurde aber noch wegen verschiedensten Arbeiten abgefangen. Bis ich endlich nach Hause kam, war es schon Mittag. Agesta und Caterina gingen an diesem Abend zur Nanny zum Übernachten. Gegen Abend fuhren wir ins Spital, kaum einer ahnte, für was ich an diesem Abend gekommen war. 

Die Vorbereitungen wurden direkt im OP gemacht. Der geplante Zeitpunkt verschob sich etwas, da es noch zu Notfalloperationen kam. Während ich wartete, bis ich an die Reihe kam, fiel im ganzen OP der Strom aus. Schnell musste der Elektriker informiert werden, um das Problem zu beheben. Das fand ich doch eher etwas beunruhigend. Dann kam ich endlich dran. Die Spinalanästhesie wurde gesetzt und ich lag auf dem Tisch. Es war schon ein sehr komisches Gefühl nun selber auf dem Tisch zu liegen und nicht am Tisch zu stehen. Ich war sehr erleichtert als die Kleine draussen war und ich ihr Schreien hörte. Wegen dem Rest der OP hatte ich keine Bedenken, die Ärzte und Pflegenden waren darin so geübt, dass sie die OP im Schlaf hätten machen können. Nach einiger Zeit liess jedoch die Wirkung der Spinalanästhesie nach und ich begann Schmerzen zu bekommen. So kam ich noch in den Genuss einer Kurznarkose, die in Zusammenarbeit mit einem starken Schmerzmittel durchaus angenehm war und ich keine Eile hatte aufzuwachen. 

Mein Mann war in der ganzen Zeit um den OP-Trakt herumgetigert. Da er nicht genau wusste wann die OP angefangen hatte und sie auch etwas länger ging und ihn noch alle Verwandten und Bekannten für Informationen anriefen, war er ziemlich durcheinander. Als ich dann endlich aus dem OP-Saal herausgefahren wurde, war er sichtlich erleichtert. 

Die kleine Julia, 2800 g, hielt mich diese Nacht auf Trab, so schlief ich nicht viel. Morgens ging es dann bald los mit Mitarbeitern die zum Gratulieren kamen. Am Mittag kam die Nanny mit den beiden Mädchen. Sie waren sehr fasziniert und wollten die Kleine ständig halten. Gegen Abend entschieden wir uns dann nach Hause zu gehen, da wir im Spital nicht zur Ruhe kamen. 

Die ersten Tage zu Hause hatte ich schon noch etwas Schmerzen, aber ich hatte Unterstützung von meinem Mann, der Nanny und nach einer Woche kam noch meine Mutter zu uns. Die Kleine machte es sehr gut, ausser dass das Bäuchlein sie plagte. Für Caterina war und ist die Umstellung nicht so leicht. Zwar liebt sie das kleine Schwesterchen, dennoch ist es nicht so leicht, die Aufmerksamkeit der Eltern mit jemandem zu teilen. 

Mittlerweile ist Julia schon fast vier Monate alt. Sie gedeiht prächtig und bezaubert mit ihrem süssen Lachen. Wir sind sehr sehr dankbar, dass alles so gut lief und dass sie so gesund ist.

Das nächste Thema, welches nun ansteht, ist zu schauen ab wann und in welchem Rahmen ich wieder mit Arbeiten anfange. Die Idee ist, anfangs Juni wieder zu starten, da dann auch ein Schweizer Ärzteteam kommt. Ob das dann auch so möglich sein wird, wird sich dann herausstellen. 

Vielen Dank für alle Unterstützung und Mittragen im Gebet. 

Petra

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